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                <title type="main"><bibl corresp="Starke_1975"><persName ref="http://d-nb.info/gnd/1013470699">Käthe Starke</persName>, Der
                        Führer schenkt den Juden eine Stadt</bibl>. Gelesen von <persName ref="http://d-nb.info/gnd/133195570">Laura de Weck</persName>, Auszug aus
                    dem Hörbuch „…in schwarzer Nacht und lautloser Stille muss ich meinen Weg allein
                    suchen…“,
                        <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hamburg</placeName>
                    <date when="2011">2011</date>.</title>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                
            <publisher><orgName>Institut für die Geschichte der deutschen Juden</orgName><email>redaktion@juedische-geschichte-online.net</email><address><addrLine>Beim Schlump 83, 20144 Hamburg</addrLine></address></publisher><availability><licence target="#personal-use"><p>Käthe Starke, Der Führer schenkt den Juden eine Stadt: Bilder, Impressionen, Reportagen, Dokumente, Berlin 1975. Gelesen von Laura de Weck, Auszug aus dem Hörbuch „…in schwarzer Nacht und lautloser Stille muss ich meinen Weg allein suchen…“. Käthe Starke-Goldschmidts Deportation nach Theresienstadt und ihre Rückkehr nach Hamburg, hrsg. für die Landeszentrale für Politische Bildung Hamburg von Linde Apel und Barbara Guggenheim, Hamburg 2011.&#13;
Mit freundlicher Genehmigung von Pit Goldschmidt, der Landeszentrale für Politische Bildung Hamburg sowie  aller an der Hörbuchfassung Beteiligten.</p></licence></availability><idno><idno type="DTAID">jgo:source-218</idno></idno></publicationStmt>
            
        <seriesStmt><title type="main">Käthe Starke-Goldschmidts Schilderungen ihrer Deportation nach Theresienstadt</title><idno type="DTAID">jgo:article-273</idno></seriesStmt><sourceDesc><bibl><author>Käthe Starke</author><placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7003712">Berlin</placeName><date when="1975">1975</date></bibl></sourceDesc></fileDesc>
    <profileDesc><langUsage><language ident="deu">German</language></langUsage><textClass><classCode scheme="http://juedische-geschichte-online.net/doku/#genre">Quelle:Audio</classCode></textClass></profileDesc></teiHeader>
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                <figDesc>Track 1, 00:21-05:03</figDesc>
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            <p>Was die Schlachttiere empfinden, wenn sie dumpf zusammengepfercht im Viehwagen
                dahinrollen — ich weiß es aus Erfahrung. </p>
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            <fw type="header" place="top">Abschied und Reise.</fw>
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            <p> Ein gutes Ende kann dies nicht nehmen, fühlen die Tiere instinktiv, so wie das
                angefangen hat: Vom heimischen Hof geführt — mit Knüppeln und Geschrei sind dann die
                Treiber in ihren schweren Schaftstiefeln über die zwischen den Barrieren
                dichtgedrängten Rücken getrampelt, und wer in seiner Angst auszubrechen suchte,
                wurde gnadenlos zusammengeschlagen. — Gewiß — die Weide — auch nicht immer schön
                gewesen. Heiße Sonne — wenig Schatten — Durst —. Im Frühjahr peitschte der eiskalte
                Wind von See oft tagelang, nächtelang den Regen waagerecht, und wir standen
                schutzlos, gleichgerichtet alle, ihn mit dem Kopf zu empfangen, so still, wie jetzt
                — aber frei. Gut war der Stall. Warm vertraut der Geruch, bekannt die Nachbarn, ihre
                Stimmen, ihre Gewohnheiten — ach, und jetzt — — man müßte schreien — — wenn nur
                niemand anfängt, zu schreien. — — — Nein — auf unserm Transport nach <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/4135801-6">Theresienstadt</orgName> fing niemand an,
                zu schreien. Uns trat auch keiner in den Rücken, wie ich es elf Monate zuvor noch im
                Hof der <placeName ref="geo:53.56466293334961,9.963430404663086">Schule an der
                    Sternschanze</placeName> gesehen hatte, wenn die Alten nicht schnell genug die
                hohen Klapptritte an den Mannschaftswagen der <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/119976-6">Polizei</orgName> erklimmen konnten.<lb/>
                 Der <roleName>Chef</roleName> des <orgName ref="nognd">Judenderzernats</orgName>
                der <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/2029665-4">Geheimen Staatspolizei</orgName>,
                    <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/1090809662">Staatspolizeileitstelle
                        <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hamburg</placeName></orgName>, <persName ref="nognd">„Herr“
                Göttsche</persName>, der uns mit seinem Stab das Abschiedsgeleit gab, zeigte sich
                mehrere Nuancen undienstlicher als gewöhnlich. Keine Filmkameras surrten, keine
                umgehängten Photo-Apparate machten Privataufnahmen von hübschen
                    <roleName>Helferinnen</roleName>, von Elendsgestalten auf dem Bahnsteig oder von
                Tragbahren mit sterbenden Greisen. Es war ja vergleichsweise auch gar nichts los
                heute. Ein kleiner Transport von 108 Seelen nur. Aber mit diesem kleinen Transport,
                der die letzten <roleName>Mitarbeiter</roleName> der <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/4348795-6">Gemeinde</orgName> und die letzten
                Betreuten entführte, sahen die <roleName>Beamten</roleName> vom <orgName ref="nognd">Judendezernat</orgName> ihr Arbeitsgebiet in der Heimat entschwinden und die
                Front für sich in gefährliche Nähe rücken. Und das war es, was sie erweichte.<lb/>
                 Die gelockerte Haltung war schon bei der Abwicklung der Formalitäten spürbar
                geworden. Wir konnten die letzte Nacht in unserm eignen Bett verbringen und wurden
                nicht, wie bisher üblich, Tage vorher eingesammelt und unter Verschluß gehalten.
                Mehrere Gesichtspunkte mögen dafür maßgeblich gewesen sein. Die früheren Transporte
                ließen einen <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/4348795-6">Gemeinde</orgName>-Apparat zurück, der, wenn auch mehr und mehr geschwächt und
                dezimiert, doch immer wieder aktionsfähig gemacht worden war. Es gab noch
                Großküchen, die die Verpflegung solcher Menschenansammlungen durchführen konnten, es
                gab genügend <roleName>freiwillige Helfer</roleName>, die Tag und Nacht Dienst
                taten. Wie das immer wieder geschafft wurde, ist ein Wunder an Organisation der
                Gemeindeleitung und an Einsatzwilligkeit ihrer <roleName>Mitglieder</roleName>. Aber
                mit uns war der Rest dran. Niemand war mehr da, der für uns hätte sorgen können, wir
                mußten unsre Beerdigung selber durchführen. Seit dem <date when="1943-06-11">11.
                    Juni</date> standen wir zudem unter Hausarrest, der sich auf den Komplex
                    <placeName ref="geo:53.56731199999999,9.983003199999985">Beneckestraße
                    2—6</placeName> erstreckte. In diesen gemeindeeigenen Häusern waren die
                verstreut in <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hamburg</placeName>
                wohnenden Juden seit <date when="1942-09">September 1942</date> zusammengezogen.
                    <gap reason="insignificant"/> An diesem <date when="1943-06-11">11. Juni
                    1943</date> hielt es der Hamburgische <roleName>Staatsrat</roleName>
                <roleName>Dr.</roleName>
                <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119175436">Leo Lippmann</persName> nicht mehr
                für der Mühe wert. Man fand ihn und seine Frau in tiefem Schlaf, und sie wollten
                nicht mehr zu dem Leben erwachen, das sie für sich voraussehn konnten. Vorher aber
                machten sie unter anderen meiner <persName ref="nognd">Schwester</persName> und mir
                ihren Abschiedsbesuch und trugen uns Grüße auf an ihre Freunde
                    <roleName>Dr.</roleName>
                <persName ref="nognd">Heinrich Wohlwills</persName> in <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/4135801-6">Theresienstadt</orgName> — falls wir sie
                treffen würden.<lb/>
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            </p>
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                <figDesc>Track 2, 00:00-01:16</figDesc>
            </figure>
            <p> Auf dem abgelegenen <placeName ref="geo:53.542545318603516,10.005788803100586">Güterbahnhof, dem „Hannöverschen“</placeName>, der schon Schauplatz vieler
                Judentransporte gewesen war, an dem wie unheimliche Schattenspiele im nächtlichen
                Dunkel herzzereißende Begebenheiten und menschenunwürdige Szenen vorübergezogen
                sind, begann für uns das Abenteuer, aus dem noch niemand zurückgekehrt war. Aber es
                begann im hellen Licht eines heiteren Sommertages, wie unsre Stadt nicht viele
                kennt. Die Güterwagen, die uns einschluckten, vergalten der Sonne ihr Licht mit
                einem warmen Aufleuchten ihres mattroten Anstrichs. Unbarmherzig in der klaren Luft
                bot sich der Zug der Träger dar, die über den leeren Bahnsteig unsre bettlägerigen
                Kranken, unsre ältesten und nicht Transportfähigen zu den notdürftig als Liegewagen
                eingerichteten Waggons trugen. Sauber hergerichtet, wie vom <roleName>Leichenwäscher</roleName>, ein
                letztes Mal pfleglich betreut, verschwanden sie hinter den Schiebetüren,
                entschwanden sie ihren „arisch versippten“ Verwandten, die sie hilflos begleiteten,
                und waren einem Schicksal ausgeliefert, das „Verhungern“ heißen sollte.<lb/>
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                <figDesc>Track 2, 03:15-04:07</figDesc>
            </figure>
            <p> Die <roleName>Gestapoleute</roleName> verabschiedeten sich von den beiden
                    <roleName>Kollegen</roleName>, die uns begleiten sollten. Ganz allein und uns am
                nächsten stand <roleName>Dr.</roleName>
                <persName ref="http://d-nb.info/gnd/138896038">Plaut</persName>,
                    <roleName>Dr.</roleName>
                <persName ref="http://d-nb.info/gnd/138896038">Max Plaut</persName>, der
                    <roleName>Chef</roleName> der <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/4348795-6">Gemeinde</orgName>. Seit vielen schweren Jahren befand er sich nun schon im
                vollen Beschuß sowohl von Seiten der <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/2029665-4"><choice>
                        <abbr>Gestapo</abbr>
                        <expan>Geheime Staatspolizei</expan>
                    </choice></orgName> wie der Gemeindemitglieder. Er war der Prellstein zwischen
                den Fronten. Ihn trafen die Nachrichten von Aktionen, Transporten, Verhaftungen
                zuerst, er hatte sie weiter zu geben an die Betroffenen. Er empfing Befehle und
                mußte sie ausführen. Tag für Tag, wenn er zum Rapport zu <persName ref="nognd">„Herrn“ Göttsche</persName> ging, wußte er, wußten wir nie, ob er wiederkehren
                würde. Dabei war es ihm ergangen wie allen Überbringern böser Neuigkeiten, man legte
                sie ihm zur Last.<lb/>
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                <figDesc>Track 3, 00:00-00:36</figDesc>
            </figure>
            <p> Die Türen wurden zugeschoben. Der Transport war abgefertigt. Wir merkten, daß wir
                fuhren. — In diesem Augenblick — am <date when="1943-06-23">23. Juni 1943</date> —
                endete die altehrwürdige Tradition der <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/2036220-1">Hochdeutschen Israeliten-Gemeinde</orgName> zu <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7012310">Altona</placeName>, und die der
                hochangesehenen und reichen <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/236077-9">Deutsch-Israelitischen Gemeinde</orgName> in <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hamburg</placeName>.<lb/>
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