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        <fileDesc>
            <titleStmt>
                <title type="main">Interview mit <persName ref="nognd">Uzai Menachem</persName>, geführt von
                        <persName ref="nognd">Sybille Baumbach</persName>, am <date when="1993-08-22">22.8.1993</date>.<lb/>
                </title>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                
            <publisher><orgName>Institut für die Geschichte der deutschen Juden</orgName><email>redaktion@juedische-geschichte-online.net</email><address><addrLine>Beim Schlump 83, 20144 Hamburg</addrLine></address></publisher><availability><licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/"><p>Auszug: 1A: 10:05-17:06, 40:47-41:22. Mit freundlicher Genehmigung der Werkstatt der Erinnerung / Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg.&#13;
&#13;
Das gesamte Interview ist über das Portal Oral-History.digital verfügbar: https://portal.oral-history.digital/fzh-wde/de/interviews/fzh-wde0171</p></licence></availability><idno><idno type="DTAID">jgo:source-273</idno></idno></publicationStmt>
            <notesStmt>
                <note>
                    <p>Das Interview mit <persName ref="nognd">Uzai Menachem</persName> wurde
                        während seines Aufenthaltes in <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hamburg</placeName> im Rahmen
                        des Besuchsprogramms im <date when="1993-08">August 1993</date> geführt. Es
                        war das erste Mal, dass <persName ref="nognd">Uzai Menachem</persName> in
                        die <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Stadt</placeName>
                        zurückkehrte, wo er <date when="1928">1928</date> als <persName ref="nognd">Max Isaak</persName> geboren wurde und mit seinen
                            <roleName>Eltern</roleName> und <roleName>Geschwistern</roleName>
                        zunächst in der <placeName ref="geo:53.57478649499789,9.984350948311915">Parkallee</placeName>, dann in der <placeName ref="geo:53.5738095175305,9.9822306201483">Brahmsallee</placeName>
                        wohnte. Mithilfe eines Kindertransportes konnte <persName ref="nognd">Max
                            Isaak (Uzai Menchaem)</persName> nach <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7002445">England</placeName> fliehen und
                        emigrierte später von dort aus nach <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7004540">Palästina</placeName> /
                            <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/1000119">Israel</placeName>.
                        Seine <roleName>Eltern</roleName>, eine <roleName>Schwester</roleName> und
                        ein <roleName>Bruder</roleName> wurden von den Nationalsozialisten ermordet.
                        Für <persName ref="nognd">Uzai Menachem</persName> bedeutete die Rückkehr
                        nach <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hamburg</placeName>
                        daher eine große psychische Belastung. Wie individuell unterschiedlich
                        Remigrationsentscheidungen sind, zeigen auch die weiteren Interviews aus der <choice>
                            <abbr><orgName ref="http://d-nb.info/gnd/2181173-8">FZH</orgName></abbr>
                            <expan>Forschungsstelle für Zeitgeschichte</expan>
                        </choice> / <choice>
                            <abbr><orgName ref="http://d-nb.info/gnd/16181772-5">WdE</orgName></abbr>
                            <expan>Werkstatt der Erinnerung</expan>
                        </choice>, die <ref target="http://schluesseldokumente.net/dossier/remigration-wde">hier</ref> angehört werden können.</p>
                </note>
            </notesStmt>
            <sourceDesc>
                
            <bibl><placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hamburg</placeName><date when="1993-08-22">22.08.1993</date><orgName ref="http://d-nb.info/gnd/16181772-5">Werkstatt der Erinnerung</orgName><idno>FZH/WdE 171</idno></bibl></sourceDesc>
        </fileDesc>
    <profileDesc><langUsage><language ident="deu">German</language></langUsage><textClass><classCode scheme="http://juedische-geschichte-online.net/doku/#genre">Quelle:Audio</classCode></textClass></profileDesc></teiHeader>
    <text>
        <body>
            <p>
            <figure facs="Menachem.jpg">
                    <figDesc facs="menachem"><persName ref="nognd">Uzai Menachem</persName></figDesc>
                    <media mimeType="audio/mpeg" url="Menachem.m4a"/>
        </figure>
                <gap reason="insignificant"/>
                <choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Kassette mit dem Interview von Uzai Menachem</expan>
                </choice>: obwohl sie, die Eltern so religiös war’n, und die Großeltern so religiös
                war’n, die haben, die ham sich als deutsche <roleName>Bürger</roleName> gefühlt. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Das war ihr, ihr Vaterland, und eben deutsche <roleName>Bürger</roleName>
                mit jüdischem Glauben. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Aber ich bin heute wieder ganz anders, wegen, was passiert is’. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Ich, ich bin jetzt Israeli. Ich bin stolz, daß ich Jude bin. Ich bin
                stolz, daß ich Israeli bin. Und eh, ich weiß, daß die junge Generation, so wie Sie
                und Leute, die ich in der Straße seh’, die, die sind nich’ dra-, die können auch
                nich’ dran schuldig sein. Die sind nich’ dran schuldig, was war. Aber, aber ich kann
                das nie vergessen, was man ... <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: ... mir persönlich angemacht hat, was man den Eltern gemacht hat, der,
                die Familie, mein ganzes Volk gemacht hat, das kann ich nie vergessen. Und eh, und
                eh, ich fühl’ mich deshalb noch stärker als, als Israeli, als Jude; jüdischer
                Israeli. Und die größte, wenn, wenn ich mich so ausdrücken kann, die größte Rache,
                die ich habe, nich’, Gott behüte!, etwas zu machen zu jemand, weil man mir das
                gemacht hat, aber wenn ich seh’, ich hab’ ein’ jüdischen Staat ... Also die Nazis,
                    <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118551655">Hitler</persName> und die Nazis
                ham uns doch gewollt ... Wie hat er sich eh, ausgedrückt, der, der, der <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118551655">Hitler</persName>? Ausradier’n. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: (gleichzeitig) Aus(radier’n -?). <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Ausradier’n. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Also das jüdische Volk, Volk is’ noch da. Wir ham ein’ Staat. Ich hab’
                Kinder, ich guck’ die Kinder, ich seh’ die Kinder, und ich seh’ die Enkelkinder. Das
                is’ die größte Rache, die ich hab’. Dann weiß ich, das jüdische Volk lebt noch. Und
                wird noch leben bl- ... Weil er hat doch gemeint, das, es wird kein jüdisches Volk
                mehr sein. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. Herr <persName ref="nognd">Uzai</persName>, Sie sind das erste Mal
                wieder in <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7000084">Deutschland</placeName>? <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Ja. Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Und es is’ sicherlich für Sie sehr schwer ... <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Sehr schwer, ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: ... gewesen. Sie ham wahrscheinlich lange ... <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Jaja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: ... drüber nachdenken ... <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Ja, ich hab’ lange nachgedacht. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: ... müssen, ob Sie überhaupt fahr’n. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Aber ich will noch einmal, ich will tro-, trotzdem noch einmal seh’n, die
                Gräber meiner Großeltern, die hier be-, begraben sind in <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hamburg</placeName>. Und ich hab’
                gewollt sehen, wo ich gewohnt hab’, wo wir gebor’n ham, wo wir gebeten haben. Die
                erste Sache, die am, am, sofort wie wir hierhergekommen sind, den ersten Tag bin ich
                mit mei-, meiner Frau gegangen, und wir sind in den <placeName ref="http://d-nb.info/gnd/4220350-8">Grindel</placeName> gegangen. Ich hab’ ihr
                gezeigt die <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/4667496-2"><placeName ref="53.56858280233473,9.983729617868157">Schule</placeName></orgName>, die
                    <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/4667496-2"><placeName ref="53.56858280233473,9.983729617868157">Talmud-Thora-Schule</placeName></orgName>. Wo ich, wo ich und mein Bruder und
                mein Vater und meine Onkels, wo sie alle zur Schule gegangen sind, wo mein Großvater
                50 Jahre <roleName>Lehrer</roleName> war. Und dann hab’ ich ihr gezeigt, die, die,
                die, wo der <placeName ref="geo:53.56732301324317,9.983000013640417">Bornplatz</placeName>, wo die <orgName><placeName ref="geo:53.568057710747155,9.983258673398817">Synagoge</placeName></orgName> gestanden hat. Und dann in der <placeName ref="geo:53.571221082373,9.979980382705913">Rutschbahn</placeName> eh, wo die
                    <orgName ref="nognd"><placeName ref="geo:53.571221082373, 9.979980382705913">alte Neue Klaus</placeName></orgName> noch steht, und wir könnten nich’
                reingeh’n, dort is’ eine Fabrik oder was, aber is’ zu, zu. Und von dort hab’ ich ihr
                gezeigt <placeName ref="geo:53.5738095175305,9.9822306201483">Brahmsallee
                    16</placeName>. Und <placeName ref="geo:53.57478649499789,9.984350948311915">Parkallee 20</placeName>, wo ich gebor’n bin. Und die El-, die Großeltern ham
                mal gewohnt in der <placeName ref="geo:53.574278,9.985839">Hansastraße</placeName>.
                Dann sind wir bis zu der <placeName ref="geo:53.584144,9.989655">Isestraße</placeName> gegangen, wo die <roleName>Großmutter</roleName>, auch
                die Großeltern gelebt haben, und mein
                    Onkel hat dort gelebt am <placeName ref="geo:53.58336988594196,9.984290586959132">Eppendorfer Baum 19</placeName>.
                Und das hab’ ich noch mal gewollt einmal seh’n. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Das and’re, ich sage nich’, es int’ressiert mich nich’, aber das,
                deswegen wär’ ich nich’ nach <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hamburg</placeName> gekommen. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. Herr <persName ref="nognd">Uzai</persName>, Sie ham anscheinend
                früher nicht überlegt, nach <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hamburg</placeName> zu kommen ... <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: ... und die <gap reason="illegible"/> ... <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Ich hab’ gemeint, ich wer-, meine Füße wer’n nie mehr den deutschen Boden
                treten. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja, das kann ich versteh’n. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Wie wir sind über, über deutschen, wie wir sind reingekommen über
                    <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7000084">Deutschland</placeName>, da
                hat meine Frau gesagt, das aber so schön. Da hab’ ich ihr
                gesagt: "Ja, aber der Boden is’ mit jüdischem Blut ... eh, ein- ... Wie sagt man? <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Markiert ... <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: ... oder besetzt. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Ja, ja, ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. … Können Sie sich vorstellen, Herr <persName ref="nognd">Uzai</persName>, warum Sie jetzt, wo Sie älter sind, doch kommen konnten? <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Weil ich will noch einmal, ich will nur noch einmal seh’n die, die
                Wurzeln, von wo ich gekommen bin. Also, ich hab’ keine Wurzeln hier. Die Wurzeln hat
                man mir rausgezogen. Ich hab’ sie nich’ alleine ... So wie hier früher, so wie ich,
                sie früher gesagt ham: Meine Eltern ham geglaubt, sie sind jü-,
                die sind, die sind gute Deutschen und gute Hamburgern. Also, ich hab’ keine Wurzeln
                hier, die hat man raus ... Aber ich, es int’ressiert mich, noch einmal zu sehen, von
                wo ich gekommen bin. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Und, wie ich Ihnen gesagt, ich will die, die, die, die eh, eh, die Gräber
                von meinen Großeltern sehen. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ach, waren Sie ...? <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Und vielleicht ... <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: ... von einem Onkel, der schon keine
                    Kinder, wo, die alle umgekommen sind. Und ich wei-, also
                eine Familie, die, die ältere Schwester von meinem
                    Vater, die ham im, im <placeName ref="geo:53.567757,9.98173">Grindelhof</placeName>, glaub’ ich, die ham im
                    <placeName ref="geo:53.567757,9.98173">Grindelhof</placeName> gewohnt, und da
                is’ keiner nich’ zurückgekommen. Und der, und der Onkel, der
                is’ noch <date when="1940">1940</date> natürlich gestorben. Ich will dort auch
                gehen, zu dem Grab. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Einmal. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: War’n Sie schon auf dem <orgName ref="nognd"><placeName ref="geo:53.578438,9.929665">orthodoxen Friedhof</placeName></orgName> in
                ... <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Nein, ... <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: ... <placeName ref="geo:53.578438,9.929665">Langenfelde</placeName>? <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: ... Mrgen, morgen werd’ ich hingeh’n. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Morgen werd’ ich dort sein. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Ich war dort, wie, als Kind! <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Aber <note type="editorial">(lacht kurz leicht)</note> ... Morgen werd’
                ich dort hingeh’n. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. … Is’ wahrscheinlich sehr schwierig für Sie, hier zu sein? <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Hier in <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hamburg</placeName>. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Bereuen Sie, daß Sie gekommen sind oder denken Sie ...? <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Nein, ich bereu’ nich’. Aber wenn ... <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: ... ich in der Straße geh’, und ich seh’ Leu-, ältere Leute, dann, dann,
                ich sag’ auch zu meiner Frau die ganz’ Zeit, dann bin ich immer
                sehr, obwohl es muß nich’ jeder ge-, ge-, sein, aber, aber ich sag’ zu meiner
                    Frau: "Der war sicher ein Nazi. Vielleicht war der ein
                    Mörderer. Vielleicht hat der meine, meine
                    Eltern zum Bahnhof ...” <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: "... gezwungen, dort hingenommen.” Wenn ich jemand, jemand seh’, der
                älter is’ wie ich. — <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. Mh. Das kann ich gut versteh’n. Mh. Is’ es anstrengend hier zu sein? <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Seelisch anstrengend. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Ja, ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Das glaub’ ich. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Mh. Ich hab’, die erste Nacht hab’ ich nich’ geschlafen. Und man hat uns
                genommen, man hat uns gezeigt, das hab’ ich nich’ gewußt, dort neben dem Ba-,
                    <placeName ref="geo:53.56085303843995,9.989633388971875">Dammtor-Bahnhof</placeName>, da is’ eine Wiese ... <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: ... mit einem <placeName ref="53.56361903054226,9.986620901102132">Denkmal</placeName>, und da hat man uns gesagt, daß die, man hat die Juden in,
                in <date when="1941">1941</date> im <date when="1941-11">November</date>, bevor man
                sie nach <placeName ref="nogetty">Ost-Deutschland</placeName> geschickt hat, hat man
                dort die ganzen Juden gesammelt dort. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: (Das war eine Sammelstelle. -?) <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Und die war’n dann, nachts war’n sie in dem <placeName ref="geo:53.564187965402894,9.986452326088719">großen Gebäude</placeName> eh,
                rechts. Und da war’n meine Eltern dabei. Weil meine Eltern im
                    <date when="1941-11">November</date> weggeschickt worden sind. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Und sicher, das is’ sehr schwer für mich. <gap reason="insignificant"/>
                <note type="editorial" place="foot">Rausgekürzt: Erinnerungen an die Schulzeit,
                    Kindertransport, Umgang mit der Vergangenheit</note>
                <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. Am <date>Dienstag</date> fliegen Sie zurück. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Nein, am <date>Dienstag</date> eh, fliegen wir weiter in die <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7011731">Schweiz</placeName>. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Nach <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7007302">Zürich</placeName>. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Nach <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7007302">Zürich</placeName>. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: ’ne Woche bleiben wir dort. Und dann fahr’n wir wieder zurück nach Hause. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Ja. Vielleicht wollen Sie nochmal ... <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">U</persName></abbr>
                    <expan>Uzai Menachem</expan>
                </choice>: Und die, wir machen dort Ferien. Und die, die Dame in dem Büro, in dem
                Reisebüro hat gesagt: "Warum fährst du na-, in, in die <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7011731">Schweiz</placeName>? Das kost’ doch f-,
                du könntest bleiben in, in <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7000084">Deutschland</placeName>, es wär’ billiger.” Und da hab’ ich ihr gesagt, daß in
                    <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7000084">Deutschland</placeName> will
                ich keine Ferien machen. Das sind nich’ Ferien für mich. <lb/><choice>
                    <abbr><persName ref="nognd">B</persName></abbr>
                    <expan>Sybille Baumbach</expan>
                </choice>: Mhm. <gap reason="insignificant"/>
            </p>
        </body>
    </text>
</TEI>
