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            <titleStmt>
                <title type="main">Berufungsvorschlag für die Besetzung des <orgName ref="nognd">Lehrstuhls für
                        Soziologie</orgName> vom <date when="1951-02-16">16.2.1951</date></title>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                
            <publisher><orgName>Institut für die Geschichte der deutschen Juden</orgName><email>redaktion@juedische-geschichte-online.net</email><address><addrLine>Beim Schlump 83, 20144 Hamburg</addrLine></address></publisher><availability><licence target="#personal-use"><p>Staatsarchiv Hamburg 261-6 I Siegfried Landshut, p. 35-39. Mit freundlicher Genehmigung</p></licence></availability><idno><idno type="DTAID">jgo:source-284</idno></idno></publicationStmt>
            <notesStmt>
                <note>
                    <p>Das Recht zum Vorschlag zur Besetzung einer ordentlichen Professur lag an der
                            <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/35534-3">Universität <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hamburg</placeName></orgName> in den Händen der jeweiligen Fakultät,
                        sie reichte in der Regel eine Dreier-Liste über das Rektorat der <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/35534-3">Hochschule</orgName> an die <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/2028264-3">Schulbehörde</orgName> ein. Bei
                        diesem Dokumententyp handelt es sich um eine Laudatio auf das
                        wissenschaftliche Werk des zu <roleName>Berufenden</roleName>
                        <abbr>bzw.</abbr> der drei vorgeschlagenen Personen für die Berufung. Im
                        hier vorliegenden Dokument wird <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Siegfried Landshut</persName>für
                        die Stellung eines ordentlichen <roleName>Professors für
                            Soziologie</roleName> vorgeschlagen. Kern der Laudatio sind vier Seiten
                        Würdigung des wissenschaftlichen <foreign xml:lang="fr">Œuvres</foreign>
                        <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshuts</persName>. Auf der
                        ersten Seite des Schreibens wird darauf hingewiesen, dass seine Einstellung
                        einen „Akt der Wiedergutmachung“ darstellen würde, ein verwaltungsrechtlich
                        bedeutsamer Hinweis. Allerdings wird auf derselben Seite vermerkt, dass man
                            <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName>
                        alleine und ohne die Nennung weiterer <roleName>Kandidaten</roleName>
                        vorschlage, da nach der Absage von <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118729934">Professor [Gerhard]
                            Mackenroth</persName> aus <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7004457">Kiel</placeName> sich bereits
                        eine Liste zerschlagen habe und nun die Zeit dränge. Es stellt sich die
                        Frage nach der Wertigkeit des Arguments „Wiedergutmachung“ angesichts der
                        Tatsache, dass der <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName> eigentliche vorgezogene <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118729934">Mackenroth</persName>
                        <roleName>Mitglied</roleName> von <choice>
                            <abbr><orgName ref="http://d-nb.info/gnd/1012979-0">NSdAP</orgName></abbr>
                            <expan>Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei</expan>
                        </choice> und <choice>
                            <abbr><orgName ref="http://d-nb.info/gnd/63215-6">SA</orgName></abbr>
                            <expan>Sturmabteilung</expan>
                        </choice> war.</p>
                </note>
            </notesStmt>
            
        <seriesStmt><title type="main">Der Fall Siegfried Landshut</title><idno type="DTAID">jgo:article-297</idno></seriesStmt><sourceDesc><bibl><author>Hans Würdinger</author><placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hamburg</placeName><date when="1951-02-16">16.02.1951</date><orgName ref="http://d-nb.info/gnd/2022556-8">Staatsarchiv Hamburg</orgName><idno>Staatsarchiv Hamburg 261-6 I Siegfried Landshut, p. 35-39</idno></bibl></sourceDesc></fileDesc>
    <profileDesc><langUsage><language ident="deu">German</language></langUsage><textClass><classCode scheme="http://juedische-geschichte-online.net/doku/#genre">Quelle:Text</classCode></textClass></profileDesc></teiHeader>
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            <pb n="[1]" facs="1"/>
            <opener><hi rendition="#et">Der <roleName>Dekan</roleName></hi><hi rendition="#right"><date when="1951-02-16">16.Februar 1951</date></hi>
                <lb/>
                <hi rendition="#et">der</hi><hi rendition="#right">----- 44 10 71 App.
                    232</hi><lb/><orgName ref="http://d-nb.info/gnd/11346-3">
                    <hi rendition="#et">Rechts- u. Staats-</hi>
                    <lb/> wissenschaftlichen Fakultät</orgName>
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                <salute> An die <lb/>
                    <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/2028264-3">Schulbehörde der <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hansestadt Hamburg</placeName>, <lb/>
                        <hi rendition="#et">Hochschulabteilung</hi></orgName>
                    <lb/>
                </salute>
                <hi rendition="#u">Über den Herrn <roleName>Rektor</roleName> der <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/35534-3">Universität <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hamburg</placeName></orgName></hi>
                <lb/>
                <hi rendition="#u">Betrifft:</hi> Besetzung des <orgName ref="nognd">Lehrstuhls für
                    Soziologie.</orgName>
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            </opener>
            <p>
                <hi rendition="#et">Nachdem <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118729934">Professor
                        Mackenroth</persName>, <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7004457">Kiel</placeName>, den an ihn ergangenen </hi><lb/> Ruf auf den <orgName ref="nognd">Lehrstuhl für Soziologie</orgName> an der <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/11346-3">Rechts- und Staats- <lb/> wissenschaftlichen
                    Fakultät</orgName> abgelehnt hat, sieht sich die <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/11346-3">Fakultät</orgName>
                <lb/> ausserstande, einen neuen Dreier-Vorschlag zu unterbreiten. Zum <lb/> anderen
                kann eine weitere Vakanz dieses <orgName ref="nognd">Lehrstuhls</orgName> nicht mehr
                ver- <lb/> antwortet werden, da der Lehrbetrieb durch eine nur vertretungs- <lb/>
                weise Wahrnehmung dieses Faches nicht voll ausgefüllt werden kann, <lb/> der
                    <roleName>Vertreter</roleName> in besonderen nicht die Möglichkeit hat,
                    <roleName>Doktoranden</roleName>
                <lb/> anzunehmen. </p>
            <lb/>
            <p><hi rendition="#et">Die <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/11346-3">Fakultät</orgName> schlägt deshalb im Einvernehmen mit der </hi><lb/>
                <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/5028264-5">Philosophischen Fakultät</orgName> zur
                Berufung als Einzigen<lb/>
                <hi rendition="#et"><hi rendition="#u"><persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Dr. Landshut </persName></hi>, <choice>
                        <abbr>z.Zt.</abbr>
                        <expan>zur Zeit</expan>
                    </choice> in <placeName ref="geo:51.51241500421435,-0.19929170202470908">Pombridge Crescent</placeName></hi>,<lb/>
                <hi rendition="#et2"><placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7011781">London
                        W.11</placeName></hi>, <lb/> vor. Sie hat sich bei diesem Vorschlag von
                folgenden Erwägungen <lb/> leiten lassen: <lb/>
            </p>
            <p>
                <hi rendition="#et"><persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Dr.
                        Landshut</persName> ist, wie nachstehende Würdigung er-</hi><lb/> gibt, auf
                dem Gebeite der Soziologie wissenschaftlich voll ausgewiese- <lb/> sen, wenngleich
                seine <choice>
                    <sic>Arbeitrn</sic>
                    <corr>Arbeiten</corr>
                </choice> zum Teil stark in den Bereich der <lb/>
                <foreign xml:lang="en">political science</foreign> übergreifen. Hinzukommt, dass
                    <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Dr. Landshut</persName> sich <lb/>
                <date when="1933">1933</date> mit einer Arbeit "Historisch-systematische Analyse des
                Begrif- <lb/> fes des Ökonomischen" an der hiesigen <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/11346-3">Fakultät</orgName> habilitieren wollte, <lb/>
                aber, nachdem seine Arbeit bereits die Billigung des <roleName>Referenten</roleName>
                ge- <lb/> funden hatte, aus politischen Gründen an der Ausführung der Habili- <lb/>
                tation gehindert worden war. Die Berufung <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Dr. Landshuts</persName> stellt des- <lb/>
                halb zugleich einen Akt der Wiedergutmachung dar. <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Dr. Landshut</persName> ist<lb/> zudem seit
                zwei Semestern an der <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/11346-3">Fakultät</orgName>
                als <roleName>Gastprofessor</roleName> für <lb/>
                <hi rendition="#right">-2-</hi><pb n="2" facs="2"/>
                 Wissenschaft der Politik und als
                    <roleName>Lehrbeauftragter</roleName> für Soziologie <lb/> mit gutem Lehrerfolg
                tätig, so dass die <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/11346-3">Fakultät</orgName>
                auch aus diesem <lb/> Grunde die Berufung <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Dr. Landshuts</persName> sehr begrüssen
                würde. Auch die <lb/>
                <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/5028264-5">Philosophische Fakultät</orgName>
                stimmt diesem Berufungsvorschlag vorbehalt- <lb/> los zu. </p>
            <p>
                <hi rendition="#et"><persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Dr.
                        Landshut</persName> ist <date when="1897">1897</date> in <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7012346">Strassburg</placeName> im
                        <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7024265">Elsass</placeName>
                    geboren, </hi><lb/> absolvierte <date when="1914">1914</date> das
                protestantische Gymnasium und war <date when="1914">1914</date> - <date when="1919">1919</date>, <lb/> als <roleName>Kriegsfreiwilliger</roleName> im Felde. In den
                Jahren <date when="1919">1919</date> - <date when="1922">1922</date> studierte <lb/>
                er zunächst Jura, dann Nationalökonomie, Philosophie und Soziologie<lb/> an den
                    <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/2024338-8">Universitäten <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7004423">Freiburg</placeName></orgName> und
                    <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/2024231-1"><placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7004446">Köln</placeName></orgName>,
                promovierte <date when="1922">1922 mit einer </date>
                <lb/> Arbeit über den Begriff des <foreign xml:lang="la">Homo Oeconomicus</foreign>
                bei <roleName>Professor</roleName><persName ref="http://d-nb.info/gnd/118779931">Liefmann</persName>, <lb/> studierte <date when="1923">1923</date> bei
                    <roleName>Professor</roleName><persName ref="http://d-nb.info/gnd/118547798">Heidegger</persName> in <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7012330">Marburg</placeName> Philosophie und <lb/> trat, nachdem er <date when="1924">1924</date> - <date when="1925">1925</date> sich an den Seminaren von <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118765787">Alfred Weber</persName><lb/> und <persName ref="nognd">Karl Justus</persName> beteiligt hatte, <date when="1926">1926</date> als <roleName>Assistent</roleName> von
                    <roleName>Professor</roleName><lb/>
                <persName ref="http://d-nb.info/gnd/116881046">Mendelssohn Bartholdy</persName> im
                    <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/2013771-0">Institut für Auswärtige Politik in
                        <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7005289">Hamburg</placeName></orgName>
                <lb/> ein. Seine im Jahre <date when="1932">1932</date> eingeleitete Habilitation
                wurde <date when="1933">1933</date> unter- <lb/> brochen. Nach seiner Emigration
                hielt <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Dr. Landshut</persName>
                <date when="1933">1933</date> - <date when="1936">1936</date>
                <lb/> Vorlesungen an der <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/37260-2">Universität
                        <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7001215">Kairo</placeName></orgName>; er wurde <date when="1936">1936</date>
                <roleName>Forschungsmit-<lb/> glied</roleName> der <ref target="jgo:source-199"><orgName ref="http://d-nb.info/gnd/10033160-9">Universität
                        Jerusalem</orgName></ref> für Soziologie und war <date when="1940">1940</date>-<date when="1945">1945</date><lb/>
                <roleName>Leiter</roleName> des <orgName ref="nognd">Rundfunk-Sendedienstes</orgName> für den <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7001526">mittleren Osten</placeName>. <date when="1945">1945</date> - <date when="1948">1948</date><lb/> War er
                    <roleName>Leiter</roleName> des <orgName ref="nognd">Kultur- und
                    Erziehungswesens für deutsche <roleName>Kriegs-<lb/> gefangene</roleName> im
                        <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7001526">mittleren
                        Osten</placeName>. <date when="1948">1948</date>-<date when="1950">1950</date> widmete er sich dem Studium</orgName><lb/> über die Geschichte
                des <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/1221916-2">Britischen Parlaments</orgName>
                und einer Arbeit über<lb/> nicht-mohammedanische Gemeinden in den Ländern des Islam
                in Auftrage<lb/> der <abbr><orgName ref="http://d-nb.info/gnd/333-5">UNO</orgName></abbr>. Seit <date when="1950">1950</date> hat <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Dr. Landshuts</persName> eine
                    <roleName>Gastprofessur</roleName> für die Wis-<lb/> senschaft der Politik an
                der <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/11346-3">Fakultät</orgName> inne.</p>
            <p><hi rendition="#et">Über seine wissenschaftliche Ausweisung berichtet die
                        <orgName>Fa-</orgName></hi><orgName ref="http://d-nb.info/gnd/11346-3"><lb/>
                    kultät</orgName> wie folgt: </p>
            <p><hi rendition="#et">Mit einer ersten grösseren wissenschaftlichen
                Abhandlung</hi><lb/> trat <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Dr.
                    Landshut</persName> im Jahre <date when="1925">1925</date> hervor. Sie erschien
                unter dem Titel<lb/> "über einige Grundbegriffe der Politik" in Archiv für Sozialwissen-<lb/> schaft und
                    Sozialpolitik, Band 54.</p>
            <p>
                <hi rendition="#et">Schon diese Abhandlung geht von jener besonderen
                Blick-</hi><lb/> richtung der soziologischen Betrachtung aus, die <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName> bestimmt<lb/> als die
                Tatsache des Miteinanderlebens der Menschen. Hier wendet<lb/>
                <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName> sich
                Untersuchungen zu, die in der Richtung der <foreign xml:lang="en">political<lb/>
                    science</foreign> liegen, wie schon der Titel der Abhandlung andeutet.
                Immer<lb/> aber steht eine sozialphilosophische und soziologische Betrachtung<lb/>
                <hi rendition="#right">-3-</hi>
                <pb n="3" facs="3"/>
                 zur Seite. <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName> bestimmt hier die
                gegenseitige Determiniertheit<lb/> der politischen Grundbegriffe. Aus sorgfältigen
                methodologischen Über-<lb/> legungen geht die Untersuchung zu einer sehr
                ansprechenden und anschau-<lb/> lich entwickelten Kennzeichnung der Begriffe Volk,
                Staat und Nation<lb/> über, zunächst in Anschluss an <persName ref="http://d-nb.info/gnd/11695972X">Friedrich Julius Neumann</persName>.
                    <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName><lb/>
                <choice>
                    <sic>zeig</sic>
                    <corr>zeigt</corr>
                </choice> dann, wie der Begriff der Nation in der <date corresp="http://d-nb.info/gnd/4018183-2">französischen Revolution</date><lb/>
                und ihrer Gesetzgebung Gestalt gewann und greift zurück auf die hierfür<lb/> wieder
                bestimmenden Lehren <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118603426">Rousseaus</persName>. Er zeigt, dass "der gesamte<lb/> politische Haushalt
                unserer Zeit" sich aus den Rousseauschen Prinzipien<lb/> ernähre.</p>
            <p>
                <hi rendition="#et">Weiter wird die öffentliche Meinung als entscheidende
                    Instanz</hi><lb/> im demokratischen Staate gekennzeichnet. Dies geschieht in
                kritisch<lb/> soziologischer Behandlung mit unabhängigem und sicherem Urteil
                und<lb/> Blick. Der dritte Teil der Abhandlung befasst sich mit der Entwicklung<lb/>
                der Staatssouveränität und der Staatsraison. <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName> kennzeichnet sie<lb/>
                als die um sich selbst besorgte Staatsallmacht. Die Arbeit erweist<lb/> zugleich die
                Belesenheit des <roleName>Verfassers</roleName> in der älteren staatsrecht-<lb/>
                lichen Literatur, seine Quellenkenntnis, sein eindringliches Verständ-<lb/> nis und
                sein kritisches Urteil. Wenn schon er selber ein "Vorwiegen<lb/> kritischer
                Erörterung" in seiner Abhandlung hervorhebt, empfindet der<lb/>
                <roleName>Leser</roleName> dies nicht als Mangel der Stellung des Themas
                entsprechend.</p>
            <p>
                <hi rendition="#et">Eine zweite Arbeit legte <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName> in Form einer
                    umfangreiche-</hi><lb/> ren Schrift unter dem Titel "Kritik der Soziologie.
                Freiheit und Gleich-<lb/> heit als Ursprungsproblem der Soziologie" (<placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7134067">München</placeName>
                <date when="1929">1929</date>, S.VIII und 159)<lb/> im Jahre <date when="1929">1929</date> vor. Hiermit hat der <roleName>Verfasser</roleName> sich in den
                Grundfragen<lb/> der Soziologie mit einer methodologisch, geistesgeschichtlich und
                sozial<lb/> geschichtlich gründlich fundierten Arbeit ausgewiesen, ja zu diesen<lb/>
                Fragen einen bedeutsamen kritischen Beitrag geleistet. In sehr selb-<lb/> ständiger
                Weise und in einer echt wissenschaftlichen ursprünglichen<lb/> Unvoreingenommenheit
                wird die Fragestellung der Soziologie in ihrer<lb/> Entwicklung dargestellt und in
                ihrer Fragwürdigkeit kritisch behandelt.<lb/> So führt die Arbeit zu einer
                kritischen Auseinandersetzung mit den<lb/>
                <roleName>Vertretern</roleName> der grossen Richtungen der Soziologie, nicht in
                einer ideen-<lb/> geschichtlichen Abhandlung, sondern in systematischer Kritik,
                die<lb/> jeweils weiter zurückgreift. So beginnt die Abhandlung mit einer
                Ausein-<lb/> andersetzung mit <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118629743">Max
                    Weber</persName>. Hier schon tritt die eigene Auffassung von<lb/> den Aufgaben
                der Soziologie hervor, wenn <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName> gegen <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118629743">Webers</persName> Fassung<lb/> schreibt: "In der Tat ist die Wirklichkeit des
                Lebens sobald wir<lb/> uns auf die Art, in der es uns unmittelbar entgegentritt. <hi rendition="#right">-4-</hi>
                <pb n="4" facs="4"/>
                zu besinnen suchen - keineswegs ein so wohl- und
                ordnungsloses<lb/> Neben- und Nacheinander einer unendlichen Mannigfaltigkeit
                und<lb/> dann - oder gerade deshalb - tritt es uns nie entgegen, sondern wir<lb/>
                befinden uns schon immer mitten in ihm drin und dies umsomehr, als<lb/> wir ja
                selbst mit dieser Wirklichkeit und dies Leben sind."</p>
            <p>
                <hi rendition="#et"><persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName> schliesst sich der <choice><sic>Dilthexschen</sic><corr>Diltheyschen</corr></choice> Kritik jener</hi><lb/>
                Soziologie an, die in der Darstellung des Singularen einen blossen<lb/> Rohstoff für
                die Abstraktion erblickt, aber er findet den Weg zu<lb/> einer tragbaren
                soziologischen Fragestellung und Methode - obschon<lb/> der zweite positive Teil
                dieser Abhandlung nicht mehr geschrieben<lb/> ist und die Ausführung dessen noch im
                Einzelnen aussteht. Es würde<lb/> zu weit führen, hier im Einzelnen die
                Auseinandersetzung mit <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118614436">Simmel</persName>,<lb/>
                <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118615904">Spann</persName>, <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118578537">Marx</persName>, <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118577190">Mannheim</persName>
                <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118617281">Lorenz von Stein</persName> und
                    <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118547739">Hegel</persName> wiederzugeben.
                Im<lb/> Anschluss an <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118617281">Lorenz von
                    Stein</persName> gewinnt <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName> die "Quelle der<lb/> sozialen Problematik" in der Frage
                nach der Erfüllung der mensch-<lb/> lichen Bestimmung. Damit erscheinen dann
                Gleichheit und Freiheit<lb/> als Grundvoraussetzungen und Seinsbestimmungen des
                Menschen. Nachdem<lb/>
                <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName> die Frage nach
                der Bedeutung von Freiheit und Gleichheit<lb/> im Zusammenhang mit der Bestimmung
                des Menschen aufgeworfen hat<lb/> - im Anschluss an <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118617281">L. Stein</persName> - lenkt die Ausführung
                wieder in die<lb/> ideengeschichtliche Behandlung des Themas zurück.</p>
            <p>
                <hi rendition="#et"><persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName> hat sodann auf einem weiteren verwandten
                Gebiete</hi><lb/> sich in hervorragender Weise wissenschaftlich ausgewiesen,
                indem<lb/> er als <roleName>Herausgeber</roleName> und
                    <roleName>Interpret</roleName> der Frühschriften von <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName><lb/> und mit einer
                kleinen aber ausgezeichneten Biographie von <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118578537">Marx</persName><lb/> hervorgetreten
                ist.</p>
            <p>
                <hi rendition="#et">Mit der Herausgabe der Frühschriften von <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName> (in</hi><lb/>
                <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/2003759-4">Kröners Verlag</orgName> unter den
                Titel: Der historische Materialismus.<lb/> 2.Bände, <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7012329">Leipzig</placeName>
                <date when="1932">1932</date>) hat sich <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName> ein besonderes
                Verdienst<lb/> erworben. Vor allem wurde hier die wichtige Frühschrift <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118578537">Marx's</persName><lb/> "Die deutsche
                Ideologie" erstmals herausgegeben, während die grosse<lb/> Marx-Engels-Ausgabe des
                    <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/5181844-9">Marx-Engels-Institutes</orgName>
                in <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7012974">Moskau</placeName> im Jahre<lb/>
                <date when="1932">1932</date> nur einen Teil daraus brachte.</p>
            <p>
                <hi rendition="#et">Die Einleitung des Bandes ist aus <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshuts</persName> Feder
                und</hi><lb/> erweist den <roleName>Verfasser</roleName> als einen ersten
                    <roleName>Kenner</roleName> der Entwicklung<lb/> und der Wurzeln des geistigen
                Systemes von <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>.
                Dasselbe<lb/> tritt in der kleinen Biographie von <persName ref="http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName> hervor, die <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName><lb/> im Jahre <date when="1932">1932</date> für <persName ref="nognd">Colemanns</persName>
                Biographien schrieb.</p>
            <p>
                <hi rendition="#right">-5-</hi>
                <pb n="5" facs="5"/>                
                <hi rendition="#et">Von neueren Arbeiten <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshuts</persName>, die nach seiner
                    Emigra-</hi><lb/> tion im Jahre <date when="1934">1934</date> im Auslande
                erschienen sind, hat der <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/11346-3">Fakultät</orgName><lb/> im Manuskript eine deutsche Fassung einer umfangreichen
                Abhandlung<lb/> über die Gemeinschaftssiedlung in <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7004540">Palästina</placeName> vorgelegen. In
                den ein-<lb/> leitenden Abschnitten dieser Arbeit wird das Wesen derartiger Ge-<lb/>
                meinschaftssiedlungen kommunistischer Lebensgemeinschaften in klei-<lb/> nen Kreisen
                dargestellt und besonders untersucht an den kommunisti-<lb/> schen Gründungen, die
                im <date when="1800"><date when="1899">19. Jahrhundert</date></date> in <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7012149">Amerika</placeName> stattfanden.<lb/>
                Treffend wird als Bedingung ihres Bestandes erkannt, dass es einer-<lb/> hier
                religiösen Idee bedurfte, um diese Gemeinschaften lebens-<lb/> fähig zu erhalten.
                    <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName> kommt zu dem
                Ergebnis, dass der "blosse<lb/> Kommunismus als solcher eben keine Idee ist, die zur
                Grundlage<lb/> einer Lebensgemeinschaft dienen könnte". Er zeigt, welche Ideen
                be-<lb/> stimmend wurden in den jüdischen Gemeinschaftssiedlungen, die in<lb/>
                <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7004540">Palästina</placeName> in den
                letzten Jahrzehnten entstanden sind. Die Unter-<lb/> suchung zeigt die gleiche
                unvoreingenommene und echt wissenschaft-<lb/> liche Haltung wie die früheren
                Arbeiten des <roleName>Verfassers</roleName>. Die frucht-<lb/> bare soziologische
                Fragestellung, die auch hier in der empirischen<lb/> Untersuchung hervortritt, lässt
                den <roleName>Verfasser</roleName> den Zugang gewinnen<lb/> zu den eigentlichen
                sozialen und funktionellen Problemen derartiger<lb/> Gemeinschaften. Diese
                Abhandlung selber stellt sich so dar als<lb/> der gelungene Versuch der Anwendung
                soziologischer Methode in em-<lb/> pirischer Untersuchung.</p>
            <p>
                <hi rendition="#et">Eine weitere Arbeit aus den letzten Jahren, die uns
                vorlag</hi><lb/> ist eine im Dienste der Betreuung der deutschen
                    <roleName>Kriegsgefangenen</roleName> im<lb/>
                <placeName ref="http://vocab.getty.edu/tgn/7001526">Mittleren Osten</placeName> in
                den Jahren <date when="1945">1945</date> bis <date when="1948">1948</date> verfasste
                Schrift für<lb/> den politischen Unterricht in den Gefangenenlagern. Sie trägt
                den<lb/> Titel: Politisches A B C. Dieser Abriss behandelt unter den Stich-<lb/>
                worten: Aristokratie, Demokratie, Gewaltenteilung, Liberalismus,<lb/> Macht und
                Recht, Menschenrechte <choice>
                    <abbr>u.s.w.</abbr>
                    <expan>und so weiter</expan>
                </choice> Grundfragen der politischen<lb/> Verfassungen und des politischen Lebens.
                Die Abschnitte sind fass-<lb/> lich, anschaulich und doch nicht etwa in falschem
                Sinne populär<lb/> geschrieben. Sie werfen ein vorteilhaftes Licht auf die
                Lehrbefähi-<lb/> gung von <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshut</persName>, die auch schwierige Fragen verständlich und an-<lb/>
                schaulich werden lässt, ohne sie zu verflachen. Liegt diese Schrift<lb/> wieder in
                der Richtung der <foreign xml:lang="en">political science</foreign>, so ist doch in
                den<lb/> zuvor <choice>
                    <sic>besprochen</sic>
                    <corr>besprochenen</corr>
                </choice> grösseren Abhandlungen <persName ref="http://d-nb.info/gnd/119212900">Landshuts</persName> der Nachweis<lb/> wissenschaftlicher Arbeit und Befähigung
                auf den eigentlichen Gebie-<lb/> ten der Soziologie voll erbracht. <hi rendition="#right"><signed><persName ref="http://d-nb.info/gnd/117374644">Würdinger</persName></signed><lb/> (<persName ref="http://d-nb.info/gnd/117374644">Würdinger</persName>)</hi>
            </p>
        </body>
    </text>
</TEI>
